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Mit der „Zigarre“ durch den Winter 3 Jahre Erfahrung mit dem Alleweder-E
Ich fahre jetzt seit 3 Jahren das Alleweder als Alltagsfahrzeug , möchte von meinen Erfahrungen berichten und einen Austausch von Erfahrungen über Kabinenfahrräder in
Infobull anregen. Mein Alleweder hatte von Anfang an einen 200 Watt Reibrollen-Elektroantrieb, der mit einem Hebel am Steuerknüppel auf den Hinterreifen abgesenkt und durch einen kleinen Tastschalter, der ein Relais
betätigt, ein- und ausgeschaltet wird. Dieser bewußt einfach gehaltene Zusatzantrieb kann bei fast allen Liegerädern angebaut werden, vom Alleweder-E laufen bis jetzt 12 Stück , von anderen Elektro-Liegerädern ca. 70
– 80 Stück in Deutschland. (auch als Bausatz bei mir erhältlich ) Ich fahre täglich 2 x 16 km zur Arbeit und empfinde es gerade bei den deutlich schwereren Kabinenfahrrädern sinnvoll, mir soviel Hilfe zu
holen, daß ich nicht total ausgepowert und durchgeschwitzt meinen Job antrete. Ich weiß, daß die Puristen unter den HPVlern Elektrofahrräder noch immer etwas abfällig betrachten. Ich habe festgestellt, daß die
Versuchung, doch mal das Auto statt Fahrrad zu nehmen, deutlich geringer geworden ist, seit ich weiß, daß ich mir Hilfe holen kann, wenn ich will. Speziell für alltagstaugliche Kabinenfahrräder gilt, daß sie
doch deutlich schwerer sind als sportliche Fahrräder oder Liegeräder (Alleweder 33 kg, Leitra ca. 28 kg) Dieses zusätzliche Gewicht wird auf gerader Strecke und bergab durch die gute Ärodynamik wettgemacht, beim kleinsten Berg sind
Leute, die nicht zu den Hochleistungssportlern zählen, dann aber langsamer als mit dem Hollandrad. Für Liegeradfahrer mit sehr guter Kondition ist es, wie die Leute von Flevobike gezeigt haben, natürlich auch möglich, die Alpen zu
überqueren. Die Vorteile der guten Ärodynamik hat man aber vor allem dann, wenn man so kräftig ist, daß man überhaupt in die Geschwindigkeitsbereiche vordringt, in denen Ärodynamik eine wesentliche Rolle spielt. Ich
habe auf meiner Alltagsstrecke nur drei bis vier kleinere Hügel, trotzdem ist es einfach angenehm, wenn man immer wenn es anstrengend wird, den Motor zuschalten kann. Auf dem Weg zur Arbeit hat man es eben doch eiliger als
auf der Spazierfahrt am Wochenende. Für den Freizeitbereich halte ich Elektroantriebe für überflüssig. Unsere Reibrollenantrieb sind nach Lösen einer Schraube und eines Steckers demontierbar. Ich habe früher das Peer
Gynt mit Halbverkleidung durch den Winter gefahren, das vom Wetterschutz gar nicht schlecht ist. Wenn es nicht in Strömen regnet und gleichzeit von der Seite stürmt, ist man mit einem normalen Annorak gut geschützt. Da es aber doch
ziemlich viele Tage im Winter gibt, an denen Glatteisgefahr besteht oder die Straßen durch feuchtes Laub oder nassen Schmutz rutschig werden, hatte ich immer die Sturzgefahr im Hinterkopf. Das war beim Alleweder endgültig vorbei.
Auch bei Glatteis kommt es höchtens mal zu einem leichten Schleudern, was man aber duch die direkte Lenkung sehr gut auffangen kann. Rad- und Wirtschaftswege werden in unserer Gegend leider viel später vom Schnee
geräumt als die Straßen. Dann wird das Zweiradfahren zur Zitterpartie, und die wenigen Radfahrer, die ich noch treffe, fahren extrem langsam, lange Strecken dauern dann deutlich länger. Hier macht das Alleweder seinem Namen alle
Ehre: Trotz größerem Rollwiderstand im Schnee kann ich mit Motor weiter gute Geschwindigkeiten fahren, ohne Motor wäre es dann sehr anstrengend. Um das Durchrutschen der Reibrolle zu verhindern, fahre ich bei solchen
Wetterverhältnissen mit erhöhter Federspannung. Die Bergsteigfähigkeit ist allerdings trotz Elektroantrieb begrenzt. Ohne Schnee und Glatteis liegt sie bei meinem 200 Watt-Antrieb bei ca. in 8% Steigung, im 15 cm tiefen
Neuschnee bei ca- 4-5 %, dann fängt das Hinterrad an, durchzudrehen. Bei größeren Steigungen muß man dann auf die meist freigeräumte Straße ausweichen
Kabrio oder Limousine? Beim Serien-Alleweder wird die Öffnung in der Karosserie mit einer Plane nahezu verschlossen,
so daß nur noch der Kopf außerhalb der Karosserie ist. Wenn man einen Sturzhelm mit Visier oder Brille trägt (schicker ist die lederne Fliegermütze oder der Südwester), ist auch in dieser Version der Wetterschutz deutlich besser
als beim Langlieger mit Halbverkleidung, trotzden gab es immer wieder Situationen, in denen ich bei schlechtem Wetter die Wahl zwischen Auto und Alleweder hatte und mich für´s Auto entschieden habe. Das passiert
deutlich seltender, seit ich auf das Alleweder 2 Sturzbügel aus Aluminuimrohr geschraubt habe, an denen man mit Klettverschluß ein Stoffdach und/oder eine Windschutzscheibe anbringen kann. Dazu muß ich nicht aussteigen sondern nur
kurz anhalten. Dann kann ich beides im Sitzen montieren. Mit dem "Dach über dem Kopf " habe ich sofort nach dem Einsteigen und dem Schließen der beiden Reißverschlüsse in der Abdeckplane ein schönes Gefühl der
Geborgenheit und nach 5 Minuten ist es so warm, daß ich auch bei Frost die Handschuhe ausziehen kann. So macht das Radfahren auch im Winter Spaß und weil dann kaum andere Radfahrer unterwegs sind, hat man den Radweg praktisch als
Privatstraße und fährt am Stau vorbei. Da ich nach meiner Erfahrung eine Verkleidung nur ca. 30 - 50 Tage im Jahr benötige, es aber an mindestens 300 Tagen im Jahr nicht regnet oder schneit, wenn ich gerade unterwegs
bin, scheint mir mein Cabrio-Prinzip bei Kleinfahrzeugen logischer als die permanente Vollverkleidung. Meine abnehmbare Windschutzscheibe benutze ich relativ selten, da ich Angst vor schlechter Sicht habe.
Energieverbrauch
Beim Alleweder nehme ich
auf langen Strecken 2 Nicd-Batterien (je 5 kg , reicht für 60 km im Sommer, 35 km im Winter) mit, das zusätzliche Gewicht verschlechtert die Fahreigenschaften kaum. Seit einem halben Jahr benutze ich leichtere NiMH-Akkus. Noch ein Satz zum Stromverbrauch: Er liegt unter 1 (in Worten "einer") Kilowattstunde pro 100 km. (-,25 DM, Energie entspricht 0,1 Liter Benzin) , die warme Dusche nach einer sportlichen Fahrradfahrt
braucht mehr Energie. Mein Solarpanel von einem Quadratmeter, das wahlweise auf dem Fahrzeug oder dem Hausdach montiert werden kann, produziert Strom für 8.000 km/Jahr und kostet ca. 1.800 DM. In der Praxis benutze ich das
Solardach allerdings relativ selten, weil in unseren Breiten Solarenergie nicht zuverlässig zur Verfügung steht. Wenn die Akkus voll sind, verpufft die erzeugt Energie. Die Netzkopplung ist technisch der bessere Weg, da das ohnehin
vorhandene Stromnetz immer aufnahmebereit ist. In Deutschland kann man seit November 99 bei Greenpeace Ökostrom für 35 Pfennig die Kilowattstunde beziehen. Meine Photovaoltaic-Anlage auf dem Hausdach prodziert Strom
für 80.000 km / Jahr.
Behütet durch den Winter
Inzwischen habe ich mein altes Alleweder verkauft, das neue ist fast fertig. Dieses Alleweder wird eine abnehmbare Haube bekommen, die nach oben geöffnet wird. Diese
tunnelförmige Haube besteht aus gebogenen Alurohren, die mit Blechstreifen vernietet werden (Konstruktion: Lotar Steinbock). Die Haube ist vorne und hinten offen. Vorne kann eine Windschutzscheibe, eventuell mit Sehschliz,
eingebaut werden, über die die Haube hinweggeklappt werden kann. Willi aus der Fünten aus Köln hat für sein Alleweder eine seitlich klappbare Haube gebaut, die gut aussieht und einen hervorragenden Wetterschutz bietet. Das
Beschlagen der Scheiben kann man durch Auftragen einer Flüssigkeit vermeiden. Ein Bekannter hat gute Erfahrungen mit dem Material gemacht, das für Visiere von Motoradhelmen mit Antibeschlagbeschichtung verwandt wird.
Im Sommer hat sich bei mir auch folgende Konstruktion bewährt: Eine rechteckige durchsichtige Plane (Zeltfenster) wird an 2 Kanten umgenäht. Durch die Umnäher werden 2 Fieberglasstäbe gesteckt. Die Stäbe werden in 4 Röhrchen
links und rechts der Einstiegsluke gesteckt. Der so entstehende Tunnel wird nach vorne und hinten mit 2 Gummibändern verspannt.
Speed-Version
Ich werde dieses Mal einen stärkeren 600 Watt Asynchron-Motor mit Zahnriemen-Antrieb auf eine 2. Felge am Hinterrad einbauen. Die normale Geschwindigkeit wird dann bei 50 km/h liegen, Steigungen bis ca. 15 % müßten zu schaffen sein. Für dieses Fahrzeug ist allerdings eine TÜV-Einzelabnahme und ein kleines Nummernschild erforderlich. Zwei Alleweder-Fahrer haben diese Hürde in Deutschland genommen. Die TÜV-Abnahme ist aber vom Wohlwollen des örtlich zuständigen Beamten anhängig. Für das Alleweder-E mit 200 Watt-Antrieb habe ich eine Bescheinigung, daß dieses Fahrzeug als zulassungsfreies Elektro-Fahrrad einzuordnen ist.
(D.Lohmeyer) |
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