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Leichtfahrzeuge im Alltag - Der Spaß an der Alternative.  

 

Über den Kopf ist heute  meisten klar, daß die übliche Umgehensweise mit dem Auto keine Zukunft haben darf, daß wir Alternativen zum täglichen Gebrauch des Autos finden und unser Verkehrsverhalten ändern müssen.

Die persönliche Bereitschaft, das Auto öfter stehen zu lassen und nur noch dann zu nutzen, wenn keine zumutbare Alternative besteht, ist allerdings immer noch recht spärlich entwickelt. Für die meisten ist es immer noch normal, auch den Weg zum Bäcker um die Ecke mit dem Auto zu erledigen und Fahrräder vorwiegend als Sport- und Freizeitgeräte zu betrachten, die man Sonntags auf dem Autodach ins Grüne fährt, um einmal eine Runde zu drehen.

Da ich weiß, daß man in unser Gesellschaft mit dem Predigen von Verzichtsethik kaum jemanden bewegen kann, sein Verhalten zu ändern, möchte ich hier darstellen, daß es es eben nicht nur Verzicht ist, wenn man das Auto möglichst oft stehen läßt, sondern daß man sehr viel dazugewinnt und daß es Spaß macht,  im Alltag andere Fahrzeuge zu benutzen.

Außerdem möchte ich zeigen, daß man heute schon zuverlässige Elektro-Leichtfahrzeuge kaufen kann, die das Auto in den meisten Bereichen ersetzen können.   

Da ich selber Leichtfahrzeuge baue und verkaufe, habe ich meistens 5-6 Fahrzeuge zur Verfügung und glaube deshalb, einige Tips geben zu können, welches Fahrzeuge für welchen Zweck in Frage kommt, und wo die Vor- und Nachteile liegen.

 

Mein Pool von Leichtfahrzeugen sieht folgendermaßen aus:

 

Ein vollverkleidetes Dreirad mit elektrischem Hilfsmotor, ein Liegerad mit Elektrohilfsantrieb, ein einsitziges Elektroauto, ein Transportfahrrad, ein Rennrad und als Familienkutsche den sparsamsten Kleinwagen mit Anhänger.

 

Selbst diese siemlich üppige Ausstattung mit Fahrzeugen ist von den Kosten und vom Platzbedarf her gesehen günstiger als die "Normalausstattung": 1 Mittelklasse-PKW + Zweitwagen pro Familie, und der Energieverbrauch unseres Haushaltes für Fahrzeuge ist um 60 % gesunken.  

 

Mein Lieblingsfahrzeug ist zur Zeit mein "Muskel-Manta", ein "Alleweder" mit einem 200 Watt starken Elektrohilfsmotor. Das Alleweder ist ein Dreirad mit selbstragender Alluminiumkarosserie, das in Holland von der Firma Flevobike ca. 100 mal gebaut worden ist, zur Zeit werden 4 Stück pro Woche verkauft. Den E-Antrieb habe ich selbst eingebaut.

Nach dem Einsteigen , schließe ich mit zwei Reißverschlüssen die Zeltplanen über der Einsteigsluke bis zum Hals, dann wird das Dach mit Solarzellen runtergeklappt und ich sitze im Trockenen. Das gibt mir auch im Winter bei 5 Grad Minus ein schönes Gefühl der Geborgenheit, und nach 5 Minuten strampeln bin ich so warm, daß ich die Handschuhe ausziehen kann. Das Dreirad hat nicht nur bei Eis- und Schneeglätte sondern auch im Herbst,  wenn feuchte Blätter auf der Straße liegen, den Vorteil daß es nicht umkippt. Das ungute Gefühl, stürzen zu können, das mich durch zahlreiche Fahrradwinter begleitet hat, ist weg und die Überwindung, bei schlechtem Wetter auf´s bzw. ins Fahrrad  zu steigen ist sehr viel geringer als bei normalen Fahrrädern.

Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit, 16 km hin und 16 km zurück ist es zur Hauptverkehrszeit mein schnellstes Fahrzeug, obwohl ich normalerweise "nur" 30 - 35 km/h fahre. Bei leichten Gefällstrecken sind wegen der guten Ärodynamik auch mal 50 km/ und mehr drin.

Der Zeitvorteil gegenüber dem  Auto liegt darin, daß ich auf Fahrradwegen vor allem im Winter immer freie Fahrt habe und die Strecke auf Fahrrad- und Wirtschaftswegen 7 km kürzer ist als die Autostrecke über Autobahn und Straßen. Ich glaube, daß das das nicht nur in meinem speziellen Fall so ist, sondern daß man auf Strecken, auf denen man sich auskennt, mit dem Fahrrad meistens deutlich weniger Kilometer fährt als mit dem Auto.

Für die Entscheidung, welches Fahrzeug man benutzt, wenn man die Wahl hat, ist allerdings nicht nur die meßbare Durchschnittsgeschwindigkeit oder die Zeit die man für einen bestimmten Weg benötigt, wichtig, sondern das subjektive Geschwindigkeitsgefühl oder die Einstellung zur Schnelligkeit verschiedener Fahrzeuge.

Das Gefühl, mit dem Auto schneller zu sein als mit anderen Verkehrsmitteln, bringt die meisten Leute, dahin, "schnell mal das Auto zu nehmen", obwohl alle empirischen Untersuchungen über die wirklich realisierten Geschwindigkeiten verschiedener Verkehrsmittel gezeigt haben, daß auf Strecken unter 10 km das Fahrrad meistens schneller ist.

Ich habe in den letzten Jahren "erfahren", daß auf meinen typischen Wegen, meine alternativen Fahrzeuge wirklich fast immer schneller oder genau so schnell sind wie das Auto, nur deshalb hat sich auch meine Einstellung zur Geschwinddigkeit von Fahrzeugen geändert. Wenn ich "schnell mal in die Stadt will", nehme ich heute das Fahrrad oder das ein anderes Leichrfahrzeug. .

Wenn ich im "Alleweder" 20 cm über der Straße sitze, bei leichten Gefällstrecken den Motor ausstelle, mit aller Kraft "reintrete" und dann bei 50 - 60 km/ die Karosserie leichte Dröhngeräusche macht und mir der Wind um die Nase weht, habe ich das Gefühl wahnsinnig schnell zu sein und das aus eigener Kraft. Diesen Geschwindigkeitsrausch  empfinde ich inzwischen sehr viel schöner früher die 160 km/h auf der Autobahn.

Der ehemals lästige Weg zur Arbeit ist heute ein Stück Freizeit und Erholung, auch deshalb, weil ich oft landschaftlich schöne Wege über die Felder oder am Fußufer fahre, die für Atos gesperrt sind. Ich gebe auch gerne zu, daß ich jeden Morgen eine hämische Freude empfinde, wenn ich mit leichter körperlicher Anstrengung auf dem fast leeren Fahrradweg hunderte von Autos überhole, die auf der parallel laufenden Landstraße im Stau stehen oder von Ampel zu Ampel schleichen.

 

Das alte Motorradfeeling kommt wieder auf, wenn ich mit meinem  Liegerad eine kurvenreiche Strecke bergab fahre. Das Gefühl, bequem zu sitzen und mit den Händen unter dem Lenker die Kurven anzusteuern kann ich nicht beschreiben, auch das muß man erfahren.

Mein Liegerad "Peer Gynt" hat den gleichen E-Antrieb wie das Alleweder. Die Reichweite schwankt zwischen 16 km im Winter und 30 km im Sommer, je nach Geländebeschaffenheit und Fahrweise. Durch Nachladen am Zielort (in 2 Stunden)  oder wenn man eine zweite Batterie mitnimmt (4,6 kg), verdoppelt sich bei beiden Fahrzeugen die Reichweite und es werden Tagesstrecken von bis zu 90 km möglich. 40 km pro Tag fahre ich regelmäßig.

Der Wetterschutz ist auch  beim Liegerad durch eine Halbverkleidung besser als beim normalen Fahrrad, aber das Gefühl der Geborgenheit, das offensichtlich die Autofahrer ins Auto treibt, hat man vollverkleideten Rädern stärker. 

 

Unser einsitziges Elektroauto, das City-El aus Dänemark, haben wir gemeinsam mit drei Familien angeschafft. Mittlerweise gibt es einen Markt für Gebrauchtfahrzeuge, die Preise beginnen bei 5.000 DM.

Das E-Auto benutze ich manchmal, wenn es wirklich in Strömen regnet, was eigentlich relativ selten vorkommt, und wenn ich den ganz großen Famlieneinkauf mache.  Das Fahrzeug wurde bisher 5000 mal gebaut und bis jetzt gab es keine Störungen. Die Reichweite ist mit 25 km im Winter allerdings knapp bemessen, und wenn die Batterien leer sind, gibt es keinen Tretantrieb, der mich nach Hause bringt.

Auf dem Weg zur Arbeit von der Vorstadt in die Großstadt nehme ich im Berufsverkehr lieber das Alleweder, da auch das kleinste E-Auto gmeinsam mit der dicken Limousine im Stau steht.

Nur mit einspurigen Fahrzeugen, die wahlweise den Fahrradweg oder Wirtschaftswege nutzen können, komme ich in der Stadt und Vorstadt wirklich gut voran. Sogar mit dem Motorrad, das ich früher hatte, war ich im Stadtverkehr nur bei gefährlicher Fahrweise schneller als mit dem Auto.

Diese Tatsache wird in der Presse eigentlich nie dargestellt. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich auf den meisten Strecken, auf denen ein Elektrofahrzeug das Auto ersetzen kann, mit meinen einspurigen Fahrzeugen besser bedient bin als mit einem Elektroauto. Außerdem sind kleine einspurige Fahrzeuge erheblich sparsamer und preiswerter als Elekroautos. Das Alleweder  mit E-Antrieb kostet 6.900 DM und hat einen Stromverbrauch von 1 Kilowattstunde oder 24 Pfennig. Das sind etwa 10 % des Verbrauchs vom City-El und 5 % vom Verbrauch meines Diesel-Spritsparautos.

Vollverkleidete einspurige Fahrzeuge sind mit 25-40 kg erheblich leichter als E-Autos und kommen deshalb mit 10% der Motorleistung vom kleinsten E-Auto aus, wenn man selbst mittritt. Das bedeutet auch, daß alle Batterieprobleme, wie hoher Preis, hohes Gewicht usw., die die Nutzbarkeit von E-Autos sehr einschränken, kaum von Bedeutung sind . 

Der Nachteil dieser einsitzigen Fahrzeug ist natürlich die eingeschränkte Transportkapazität für Personen und Lasten. Ich habe allerdings festgestellt, daß ich  80 -90% meiner Fahrten alleine mache. Einen hohen Anteil an Einzelfahrten machen für die meisten Leute die Wege zur Arbeit und zum Einkaufen aus. (Die Statistik sagt hier, daß     aller Autos mit einer Person besetzt sind.) Eine Alternative zum Alleweder ist die ebenfalls vollverkleidete und dreirädrige "Leitra", die seit ca. 8 Jahren in Dänemark gebaut wird und sich ebenfalls als sehr zuverlässig erwiesen hat. 

 

Mein 11 kg leichtes Rennrad benutze ich  vor allem, wenn ich auf weiten Strecken mit der Bahn fahre und vom Bahnhof aus ein anderes Ziel ansteuere.

 Wenn ich mein Gepäck im Rucksack unterbringe, habe ich beide Hände frei, um das Rad die Treppen zum Bahnsteig hoch und in den Waggon zu tragen. Ein gutes Klapprad würde diese Funktion sicher noch besser erfüllen.

 

Das Lastenfahrrad mit Anhänger ermöglicht fast alle Einkäufe in 3 km Umkreis und hat den großen Vorteil, daß ich vorm  Geschäft parken und den Einkaufswagen direkt auf´s Fahrrad umladen kann, ich empfinde es mittlerweise als ziemlich umständlich, mit dem Auto einkaufen zu fahren.

 

Die Puristen werden jetzt sicher aufstöhnen, wenn ich zugebe, daß ich immer noch Spaß an meinem 4-5-Liter-Auto habe.

Durchschnittlich einmal pro Woche, wenn wir mit der ganzen  Familie irgendwo hinfahren, wo es keinen Bahnhof gibt, benutzen wir immer noch unseren Keinwagen, der pro Person einen Liter Diesel verbraucht. Das vielfach propagierte 5-Liter kann man nämlich kaufen, alle Kleindiesel verbrauchen in der Praxis weniger. Wenn man einen Anhänger oder einen guten Gepäckträger hat, ist auch der große Familienurlaub mit Zeltausrüstung kein Problem. 

850 kg Fahrzeug empfinde ich heute allerdings als einen Wahnsinnsaufwand, um eine Familie von 200 kg Gesamtgewicht zu transportieren. Das Fahrzeug sollte wieder leichter sein als der Mensch.

 

Natürlich gelten meine Betrachtungen in erster Linie für meinen Einzelfall.

Jeder sollte, bevor er sich ein oder mehrere Leichtfahrzeuge zulegt, prüfen, ob es nicht gute Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt, oder ob er nicht mit normalen Fahrrädern oder Liegerädern auskommt. Strecken unter 10 km kann man meist ebenso gut ganz ohne Motorhilfe fahren.

Trotzdem glaube ich, daß es vor allem in ländlichen Gegenden und Vorstädten einen Bedarf an sparsamen individuellen Verkehrsmitteln gibt.

Jeder, der mit dem Gedanken spielt, sich ein oder mehrere Leichtfahrzeuge zu kaufen, sollte sich vorher klar machen, welche Strecken er wie häufig fährt und welches Fahrzeug dafür geeignet ist.

 

(D.Lohmeyer)